DIE UMSCHAU

ET EEE VEREINIGT ke messer er NATURWISSENSCHAFTL. WOCHENSCHRIFT UND PROMETHEUS UND PROMETHEUS

JIULUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT ÜBER DIE FORTSCHRITTE IN WISSENSCHAFT U. TECHNIK

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Heft 36

Frankfurt a. M., 6. September 1924

28. Jahrg.

Erkältung und Tuberkulose.

Von Univ.-Prof,

pi: Auffassung der Erkältung hat im Lau- fe der Zeiten sehr erheblich gewech- selt. Auch heute noch ist die Erforschung dieses Gebietes nichts weniger als abge- schlossen. Bei den älteren Aerzten, etwa bis zum Auftreten Robert Kochs, hat die Erkältung in der Lehre von der Ent- stehung der Krankheiten eine größte Rolle gespielt. Als dann die bakterielle Aera zur Herrschaft gelangte, schien es, als sei für die Erkältung als krankmachen- der Faktor kaum mehr ein Platz. Mit den Methoden der zellularpathologischen For- schung war an den Geweben für den Ein- fluß der Kälte keine krankmachende Wir- kung nachweisbar. Gleichwohl stammen aus dieser Zeit die grundlegenden physio- logischen Arbeiten Rubners über die Vorgänge der Wärmeregulieruhge im menschlichen Körper mit der Unterschei- dung einer physikalischen und einer chemi- schen Regulation. Für die Temperaturver- hältnisse bei den gewöhnlichen Bedingungen des Lebens wurde die physikalische Regu- lierung vermittelst der Haut als praktisch allein in Betracht kommend angesehen. Die chemische Regulation seitens der Muskeln und auch der Leber war im Wesentlichen erst den stärkeren thermischen Beanspru- chungen des Körpers vorbehalten. Erst neuerdings ist das Wunderbare der Erhaltung einer stets gleichen Körpertemperatur klarer zum Ver- ständnis gelangt und insbesondere die Ver- mittlung der thermischen Ausgleichsleistun- gen durch das vegetative Nervensystem mit ihren zugehörigen Zentralorganen schärfer erfaßbar geworden,

Umschau 1924

Dr. H. SCHADE.

Wenn es gilt die Bedeutung der Erkäl- tung für die Tuberkulose zu umgrenzen, so ist es nötig, zunächst den Begriff der Erkältung in möglichster Schär- fe zu präzisieren. Durch die Untersu- chungen der letzten Jahre sind hier gegen früher erhebliche Fortschritte gewonnen. Die Erkältung ist die Schädigung des Kör- pers durch Abkühlungseffekte. Die Abküh- lungsgröße, welche eine Wetterwirkung hervorzubringen vermag, hat ihr physikali- sches Maß in dem Zusammenwirken von Temperatur, Luftbewegung, Nässe und Be- sonnung; der Einfluß der drei letztgenann- ten Faktoren ist dabei ein so großer, daß die Temperatur allein nicht entfernt als der beherrschende Faktor angesehen werden kann.

Drei Arten der Abkühlungs- schädigung sind im menschlichen Kör- per gegeben. Zunächst ist die direkte ört- liche Schädigung bei Einwirkung der Kälte auf die Haut und die Schleimhäute zu nen- nen. Sie besteht in der Veränderung der Gewebskolloide in der Richtung einer Aus- fällung (= Gelbildung). Diese Schädigun- gen werden am besten kurz als Erkäl- tungesgelosen bezeichnet. An der Haut macht sich die Gelose am klarsten in dem „Sprödewerden“ bemerkbar. Durch die Kol- loidschädigung ist die Elastizität der ober- sten Hautschicht verringert, so daß dann schon bei den üblichen mechanischen Deh- nungen der Haut ein Rissig werden auf- tritt. Die tieferen kolloiden Abkühlungsschä- digeungen der Haut werden als Gefäßläh- mungen und als Frostbeulen kenntlich. -Die Schleimhäute der Nase und des Rachens ha-

36

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ben bei Ruhe etwa ein Sechstel der Kälte- abwehr der Gesamtoberfläche des Körpers zu leisten. Bei Bewegung steigt dieser An- teil erheblich: bei langsamstem Gehen be- reits aufs Doppelte, bei schnellerem Gehen um ein Vierfaches und beim Laufen gar bis zum Siebenfachen. Dabei ist die Schleim- haut der Nase und des Rachens einem be- ständigen Wechselbad ausgesetzt, indem et- wa 20 mal pro Minute eine wärmere, feuch- tere Luftdurchströmung einer kühleren, trockneren Platz macht. Von der Nase al- lein mit ihren Schwellorganen wird normal etwa °/, der gesamten Kälteabwehr der Atemschleimhäute geleistet; dementspre- chend sind auch die direkten Kälteschädi- gungen der Schleimhaut in der Nase am ausgeprägtesten: Im vordersten Teil der Nasenscheidewand werden als Kältefolge oft Schleimhautgelosen beobachtet, die bis zum Knorpel reichen und zu chronischer Geschwürsbildung führen. Bei Ausschaltung der Nasenatmung, z. B. beim Atmen mit of- fenem Mund, können auch die tieferen Be- zirke der Atmungswege leicht von Kälte- gelose befallen werden.

Die zweite Art der -Kälteschädigung be- steht inFernwirkungen, welche durch das sogenannte vegetative Nervensystem, besonders durch den Nervus sympathicus, vermittelt werden („Erkältungsneurosen“). Diese Wirkungen bestehen in Störungen der Blutversorgung, in krankhafter Schleimab- sonderung und in Muskelzusammenziehun- gen. Der Schnupfen bei Durchnässung der Füße und die aus dem Kriege besonders be- kannt gewordene Reizung der Harnblase können als Beispiele solcher fortgeleiteter Kälteschädigung gelten. Die dritte Art der Erkältungsschädigung besteht in einer Her- absetzung der chemischen Ab- wehrkräfte des menschlichen Körpers gegen Infektion der verschiedensten Art.

Die Beziehung der Erkältung zur Tuberkulose läßtsichinFol- gendem zusammenfassen:

1. Die Erkältung schädigt die Schleim- häute der den Lungen vorgelagerten Schutz- organe, insbesondere der Nase und des Hal- ses. Sie verschiebt dadurch die Arbeit des Kälteausgleichs, resp. der Kälteabwehr auf die tieferen Atmungsorgane, speziell auch auf die von der Tuberkulose schon an und für sich am meisten bedrohten Lungen.

2. Die Erkältung schädigt durch die Wei- terwirkung, welche die Schleimhautgelose auf die zugehörigen Lymphdrüsen ausübt, ebenfalls die Schutzwirkung der Drüsen, na- mentlich des Rachenringes, des Halses, der Luftröhre und der Bronchien.

Univ.-Prof. Dr. H. SCHADE, ERKÄLTUNG UND TUBERKULOSE.

3. Die Erkältung setzt durch Gelose und reflektorische Fernwirkung häufig Katarrhe in denselben Schleimhautbezirken, welche ein Sitz der Tuberkulose sind.

4. Die Erkältung schafft durch Wund- werden der Schleimhäute auch Eingangs- pforten für die Bazillen, nicht nur für die Tuberkelbazillen selber, sondern auch für andere Krankheitserreger, durch deren Mitanwesenheit die Gefährlichkeit der Tu- berkulose sehr gesteigert wird.

5. Die Erkältung setzt die inneren che- mischen Abwehrkräfte des menschlichen Organismus gegenüber den Tuberkelbazil- len herab.

Die hier genannten Wirkungen liegen alle in der Richtung, daß die Erkältung die Gefahren der Tuberkulose er-

-höht.

Aber noch eine weitere Beziehung ist wichtig. Die Erkältung und die Tuberkulose zeigen bei ihren Krankheitserscheinungen eine Auswirkung an denselben Organsyste- men des Körpers, so am Nervensystem der Temperaturregulierung (Thermolabilität bei der Tuberkulose) und am Hautgewebe (Nachtschweiße, feuchte Hände, Fett- schwund und Durchscheinigkeit der Haut bei Tuberkulose). Es ist eine Folge dieser Gemeinsamkeit der Angriffsorte der Störun- gen bei der Erkältung und der Tuberkulose, daß nicht nur die Erkältung die Schädigun- gen der Tuberkulose erhöht, sondern daß die Tuberkulose auch ihrerseits dann wieder die Erkältungsneigung steigert, wie beson- ders in dem häufigen Vorkommen der ge- fürchteten Erkältungskatarrhe im Erststa- dium der Tuberkulose zu Tage tritt. Ein „Circulus vitiosus“ ist hier gegeben. Der Weg zur Durchbrechung dieses „schädlichen Kreises“ ist von der Praxis schon seit lan- gem in der Abhärtung der Haut und in der Uebung der temperaturregulierenden Ner- ven mit größtem Erfolge beschritten.

Die Zahl der sich hier darbietenden Ein- zelfragen ist eine große. Nur zu einer Frage sei Stellung genommen: Zweifellos kann die Erkältung eine Tuberkulose nicht hervor- rufen, wohl aber kann die Erkältung vermit- tels der vorgenannten Wirkungen die beim Menschen so häufig vorhandenen, schlum- mernden und vernarbten tuberkulösen Her- de, welche sonst möglicherweise völlig harmlos geblieben wären, zu gefahrbringen- der Tätigkeit entfachen, ein Effekt, der im praktischen Ergebnis doch der Erzeugung einer Tuberkulose sehr nahe steht.

Dank der schärferen Erkennung der Er- kältungsstörungen sind einige Grundlinien der Beziehungen zwischen Tuberkulose und

ADOLF RADING, GROSSTADTBILDUNG.

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Erkältung klarer übersehbar geworden. So-

wohl für die Heilbehandlung als auch für

die Gutachtertätigkeit ist diese Vertiefung

der Einsicht in die Zusammenhänge des

Be Geschehens von praktischem ert.

Großstadtbildung.

Von ADOLF RADING.

er jetzt etwa 20 Jahre lang immer stär-

ker werdende und weiter sich ausbrei- tende Kampf gegen die Großstadt schien vor etwa 2 Jahren schließlich dahin zu füh-

Recht behalten, und es besteht nun die Ge- fahr wiederum des Schlagwortes, nur nach der entgegengesetzten Richtung: Zurück zur Großstadt, in die alte Haut, in der es uns bekanntlich so gut gegangen ist.

Ohne Zweifel beruht die Eigenheim- und Kleinsiedlungsbewegung auf dem ganz rich- tigen Gefühl für den Anbruch einer neuen Zeit und Wirtschaitsperiode; aber man darf heute doch sagen, daß es an klarer Erkennt- nis sowohl des Weges wie des Zieles der Bewegung durchaus gefehlt hat.

Es ist überaus kennzeichnend, daß das

ren, daß man Allermeiste, ihr jede Da- en SER und vor al- seinsberech- ee RER lem das tigung ab- Be RE rn Ni „Maßgeben- sprach, und SUR de“, was daß, es den TER \ Wort und Anschein IN RN Tat dieser hatte, alssol- / En a NE Nachkriegs- t ; EEG | \ n le Deutsch- ", | A RE NL zeit aufzu- land völlig ` III N ER Be weisen hat ; 8 Liegnitz O PR RNS N Sar 2 7 wieder in ein “%0 afrasa RT ze E00 \ 1 N60 nicht die Agrarland DESSEN a Kraft oder nn | en ‘2 , sentimentale bilden. So Romantik wurde denn machte den entweder eroßstädti- die Mietka- schen Indu- sernenüber- striearbeiter, NR lieferung der der schlecht nnd Oppein jüngsten wohnte, dem a” Ayro Vergangen- es nicht gut re Wis, heit fortge- ging, flugs Pr N setzt, oder zum zufrie- ge RD, \ es entstan- denen länd- atsehkau Ottmachok u Meiste den auf un- licheniBanier S an 10008 | Her PEN nn sere Zeit lienvater, i I REN; künstlich man grub al- gepfropfte te längst ver- Fig, 1, Die geoprophlächd Lage und der heutige Stand Siedlungen, gessene der Entwicklung von Groß-Breslau. Kleinstadt- Im Norden der Stadt liegt das Katzengebirge, ein higeliges bewaldetes Gelände mit i y Baustoffe Höhen bis zu 200 bezw. 300 m, She. AKIA Trebnitz, ein kleiner Badeort. Die ERLERNT, wie den Oder ist von Breslau aus stromabwärts in freier Schiffahrt benutzbar, stromaufwärts le, in der Lehm aus, bis Oberschlesien kanalisiert. Der Anfang zur industriellen Nutzung der Wasserkraftt ein bis zwei d S hl ist durch den Bau eines Wasserkraftwerkes gemacht; in der Stadt bedeutende Ma- Jahrhund as ech ag- schinen-, Eisenindustrie, Spinnereien usw., in der näheren Umgebung starke landwirt- qer- wort blühte. schaftliche Nutzung, viel Rübenbau (Zuckerfabriken). Im Süden erhebt sich aus der fe zurück- Aber seine * Ebene das bewaldete Massiv des Zobten (bis 600 m), weiterhin das Eulengebirge (bis liegenden e 1000 m), an dessen Fuß und Vorbergen eine Reihe von Fabrikorten (Webereien, Lei- Bu kurze Le- a liegen. anschließend das Waldenburger Gebirge mit nn ed Zeit ihres ndustriebezirk (bedeutende Steinkohlenproduktion, Hüttenwerke usw.). Die Zahlen ? bensdauer neben den Ortsnamen geben die Einwohnerzahl an, die Eisenbahnen sind punktiert Vorbildes erwies sich dargestellt. ' durchaus wiederum, gut und be- alles gutgemeinte Bemühen scheiterte gründet, nicht ohne Berechtigung rein ge-

an den gegen die Vergangenheit, auf der diese Versuche beruhten, völlig anders gearteten wirtschaftlichen Bedingtheiten der Gegenwart. Die damals beiseite Ge- schobenen oder Totgeschwiegenen haben

fühlsmäßigen Widerstand gefunden haben.

Nur ganz selten hat man sich klar ge- macht, daß nicht die Großstadt an sich das Unding sei (denn sie hat sich aus den wirtschaftlichen Bedingungen organisch

684

ADOLF RADING, GROSSTADTBILDUNG.

ergeben), sondernihre Form, die zu bilden man in der letzten Zeit rasender, nie gekannter industrieller Entwicklung ver- gessen hatte,

Unsere Zeit ist durch Zusammenfassung gekennzeichnet, d. h. durch Erkenntnis der Besonderheit der Dinge, in der wiederum die Keime für die Absonderung der wesens- fremden liegen. Aus diesem Geist heraus (in wucherndster, folgerechtester Form be- kannt aus indischem Kastenwesen, Götter- bildung, Tempelform) erfolgt die Kartell- bildung der Industrie und greift vielleicht

heit im wesentlichen die Form des Ganzen bildet und bestimmend auf sie wirkt. Wie sehr es hieran gefehlt hat, braucht nicht be- sonders bewiesen zu werden, daß eine Neu- formung auch hier eintreten muß, ist selbst- verständlich.

So wenig verkannt werden soll, daß die Stadt ein Markt ist, also nach einemMittelpunktstrebt, so sehr muß man sich darüber klar sein, daß die kompakte Masse, wie die heutige Stadt sie aufweist, ein Ueberbleibsel aus früherer Zeit ist, in der die Befestigung oder der hö-

über auf eine Regelung von Wirtschaftsbe- fische, auch kirchliche Mittelpunkt aus- ziehungen Dee schlaggebend auch außer- Oder EN ERS für Zusam- halb der en- MER . x ee geren Kreise, 0r00St- ` un jrenze Es wird also ?eulschland 5 ofen NY war, und,daß für die Zu- yordwest- N s} es sinnlos wä- kunft neben Qeutschland / Erholung AT ON h re, dieseForm der Erkennt- / (Ernährungsbasis) \ für unsere auf nis der beson- ganz anderen deren Be- Grundlagen dingtheiten Ting aufbauenden der Landwirt- un Handel Städte beizu- schaft einer- N behalten, seits wie der „, \ \ l Die städte- Großstadt an- ge una) j gründende dererseits ) ; Vergangen- auch die Or- heit war sich ganisation durchaus über der Groß- den Zweck K ? FA stadt und ihrer Grün- damit ihre dung in jedem Formung der Einzelfalle

Vi neuen Ein- Kohle U stellung ange- i paßt und sie rationeller, in- genieurmäßi- ger, wie Bau und Gang ei- ner guten Ma- schine ausge- bildet und durchdacht werden. Wie die Maschine sich aus ihren einzelnen Tei- len und Glie- dern zusam- mensetzt und deren

schlesien (Entfernung 140 km).

rationellste Durch-

bildung die Voraussetzung für ihren guten Gang und für ihre Arbeitslei- stung ist, größte Wirkung mit den

geringsten Mitteln, so auch für die Groß- stadt im besonderen die Durchbildung der Wohnung als der Zelle, deren Gesamt-

Fig. 2, Schema der beiden Industriebezirke bei Breslau.

2 Industriebezirke, scharf abgegrenzt, stehen miteinander in engster Beziehung. Der zu eine beruht auf dem Fundort der Produktionsmittel (Waldenburg), der andere (Breslau) heute, zu Be- auf bequemen und billigen Verkehrsverhältnissen (der Strom) und dem Arbeitsmarkt (Breslau = 560 000 Einwohner) und auf der günstigen Kohlenzufuhr auch aus Ober- ri Der Bezirk Waldenburg ist auf reine Produktion ge- neuen Wirt- stellt, während Breslau auch dem Handel zuneigt, direkte Verbindung Waldenburg—Breslau, sowie die beiden die Bezirke der Länge $ .

nach durchschneidenden Linien, die sich in Liegnitz bezw. Oppeln als Knotenpunkte schnitts, ist es vereinigen. Das landwirtschaftliche Gebiet zwischen beiden Bezirken ist als Span- nicht weniger nungsgebiet mit beiden ernährungswirtschaftlich eng verknüpft. Ausdruck in den Bahnlinien, die gleich Strömen dieses Gebiet auf dem kürzesten Wege von einem Industriebezirk zum anderen durchfließen. sind die Erholungsgebiete, Katzengebirge, Zobten und Eulengebirge, die auch heute

schon die bevorzugtesten Ausflugsgebiete sind.

klar, jede damalige Stadt hatte

Oberschlesien (Kohle. Eisen,

von Breslau eine be- “km stimmte Funktion

erfüllen,

ginn eines

An Bahnlinien sind wichtig die

schaftsab-

Das findet seinen

“unerläßlich, Besonders bezeichnet Sich der Ver- änderungen bewußt zu werden, die inzwischen sich vollzogen ha- ben und den Zusammenhang der Großstadt mit der allgemeinen Wirtschaft klarzule- gen. Aus der Versäumnis dieser Selbst- verständlichkeit, ihrer plan- und ziellosen Erweiterung, ergeben sich die Fehler der heutigen Stadt.

ADOLF RADING, GROSSTADTBILDUNG, 685

Oder EEE RE i einer Maschinerie, so vom

nach inach Stettin | nach ng Ganzen bedingt gewesen bank Ser 1 ER wie irgend eine heutige N Stadt. Grundlagen dieser

ee ar sind Handel und Ge- deutschland j \ werbe. Aufgabe jeder / gorn heutigen Stadtverwaltung,

zu prüfen, welche besonde- ren Vorteile die Stadt in dieser Hinsicht zu bieten hat und wie bessere Bedin- gungen für diese Grundla- gen zu schaffen sind. Von solchen Untersuchungen und der Auswertung der aus ihnen gewonnenen Er- kenntnis wird sehr wesent- lich die weitere Entwick- lung unserer Städte abhän- gen, manche werden durch eine entsprechende Aus- wertung ihre Daseinsbe- rechtigung nachweisen und sicherstellen können. Hier- aus werden sich unge- zwungen die Besonderhei-

. ten unserer Städte ergeben Fig. 3. Die natürlichen Entstehungspunkte für neue Siedlungen und zu entwickeln sein,

bei Breslau,

Da die Industriewerke für heutige Ver- hältnisse z, T, ungünstig liegen und auch mit einer Erweiterung gerechnet wer- den muß; wird eine Umgruppierung nach. rationellen Gesichtspunkten ein- treten, Im Breslauer Bezirk sind die außerordentlich günstigen Verkehrs- verhältnisse noch nicht annähernd ausgeschöpft. Alle Orte, an denen sich Eisenbahn und Strom berühren, werden besonders geeignet zur An- lage von Industrieen sein, nächst ihnen bedeutende Eisenbahnknoten- punkte. (Königszelt), - Mit diesen In- dustrien sind z. T. die Arbeiterwoh- nungen verknüpft, sodaß an diesen Punkten gesonderte Gemeinwesen entstehen werden, die auf Grundlage der Industrie gebildet sind, Geson- derte größere Wohnsiedlungen wer- den sich an den landschaftlich be- vorzugten Punkten bilden (Obernigk, Trebnitz, Zobten), wie Freiburg als natürlicher Abiluß, z. B. aus dem Waldenburger Bezirk, der infolge seiner geographischen Bedingungen und der vorgeschrittenen Ausbeutung

keine ausgedehntere Wohnmöglich- keit mehr bietet,

nach 4 Oberschlesien

Die Stadt des 19, Jahr- hunderts und der Zukunit, die gewerbliche Großstadt in ihrer Verknüpfung mit Produktion und Handel,

hat die Vergangenheit : f

5 £ eS Fig. 4. Volle Ausnutzung der Entwicklungsmöglichkeiten Breslaus in nicht gekannt. elbst der Zukunft,

Städte wie Rom und ir ga Knotenpunkten, die sich auf Grund ihrer natürlichen Besonderheiten bilden

i i i Fig, 3), ergibt sich das eigentümliche konstruktive Bild der künftigen Stadt, in der

Babylon sind nicht un die Wohnbezirke die Verbindung zwischen den Industriekonzentrationen bilden wer-

entferntesten so Glied den, in dichterer Aufreihung an den wichtigen und befahrenen Eisenbahnlinien,

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so daß von selbst jener merkwürdige und durch nichts berechtigte Zustand aufhören wird, daß Berlin als Reichs- hauptstadt das Beispiel für jede andere deutsche Großstadt abgegeben hat, und daß so überall trostlose Abklatsche entstanden sind, die auf keinem vernünftigen Funda- ment aufbauen konnten.

In unserm Beispiel (Breslau) ist ein solcher wirtschaftlicher Konzern unter- sucht und gezeigt, wie weit sich die unmittelbare Einflußsphäre einer modernen Großstadt erstreckt und welche Form sich aus dieser Grundlage

ADOLF RADING, GROSSTADTBILDUNG.

sind als der Blick sie umfangen kann. Ihre Grenzen sind übersehbar festzu- legen,in der Fläche sowohl wie in der Höhe, d. h. die Stadt darf nicht wie bisher ein ungeformtes unübersehbares Ge- bilde sein. Als formgebende Grenze kann nur die im großen übersehbare Form wert- voll sein, und erkannt werden, so lange sie als Ganzes übersichtlich bleibt; und wenn

. vielleicht mancher dieses Suchen nach Form

für überflüssig halten mag, so ist auf die Unmöglichkeit hinzuweisen, die Stadtbil- dung allem Leben fremd als Sonderheit zu behandeln. Nur in Begrenztheiten können

v“ Geschützte _ #4 Pachtgärten v. Grünstreifen Na Jandwirtschaftliche f % Y = Nutzung gk „Verkehrsstrasse xx KK SS J= Begrenzte Bebauungsein- X AN G J heiten Bilderi.d. Jndustrie y A $ EN Landschaft ARN KR CE X "Freifläche ge- EN SX GAN schützt nach ED rreichung , RR a > <S Wohndichte ENNA EIA 3 A = e TE. landwirtschaftliche Nutzung Pach 2 Fr} barten v. Grünstreifenkeil 399° 299 HAr ogogo Do, Dorf “R Spazierweg Sode! aGeschy, | Geschlos: Ceschutzte o ne landwirtschafliche

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99 > INNERN T RI

Fig. 5. Schematischer Grundriß einer Großstadt der Zukunft,

Keine Erweiterung der geschlossenen Stadt, keine Fortsetzung einer Großstadtstraße, Auflösung der Blöcke, scharfe Trennung von Verkehrs- und Wohnstraßen.

bildet. Sehr auffällig ist für die zukünftige Stadtform das völlige Abweichen von der Gestalt der mittelalterlichen Siedlung, ja jeder Siedlung der Vergangenheit über- haupt. Diese neue, freie, ungefesselte Stadt ist von neuen Bedingtheiten abhängig, ihre Wohnviertel sind in ganz anderem Aus- maße verknüpft mit den Arbeitsstätten, der Lage der Produktionsmittel, den geographi- schen Besonderheiten, dem Verkehr. Hier- aus ergibt sich eine starke Dezentrali- sation, eine natürliche Auflösung der Stadt in Einzelbilder, deren Lage durch die- se Bedingtheiten gegeben ist. Diese Bilder werden wirkungslos sein, wenn sie größer

wir auffassen, nur in Begrenztheiten arbei- ten, leben, bilden; Auffassung, Arbeit, Le- ben sind nur geformt denkbar und nur die Grenze kann Form geben.

Es ist also nötig (und auch durch die wirtschaftlichen Grundlagen bedingt), das unübersehbare Labyrinth der heutigen nicht faßbaren Stadt aufzulösen und sie in einer Fülle von Einzelbildern zum sichtba- ren Raumerlebnis, zum Baukörper zu ma- chen. Die Zwischenräume werden erfüllt sein von Spazierwegen, geschützten Dorfwirtschaftsbetrieben und Gärten, die insgesamt als Freifläche die Elastizität des Ganzen wahren und einen Regler für er-

Prof. Dr. ARTHUR KORN, BILDTELEGRAPHIE ....

schwingliche Bodenpreise bilden. So wird das Durchwandern der Stadt in der Fülle der Bilder zum Erlebnis. Steigen und Fal- len, Höhe und Tiefe, Nähe und Ferne, Raum wird lebendig, so wie noch heute die turm- und giebelzerrissene Stadt des Mittelalters uns bannt und die gleiche Empfindung trotz aller Wirrheit, Ungebundenheit und Zufäl- liekeit die amerikanische Großstadt anklin- gen läßt.

Es würde zu weit führen, auf die Ein- zelheiten einer solchen Bildung näher ein- zugehen, auf die notwendige Trennung der Baugebiete in privatwirtschaftliche und gemeinwirtschaftliche, auf die Trennung von Verkehrs- und Wohnstraßen, auf die lang- sam sich vorbereitenden neuen Eigentums- formen, Staffelung vom Hochbau zum Flachbau, Erscheinung der Geschäftsstadt, Zusammenhang der Gärten mit den Wohn- vierteln. Es ist im wesentlichen der Zweck dieser Zeilen, anzuregen, die Stadt als Bil- dung einmal mit anderen Augen anzuschen, sie nicht dumpf als gegeben hinzunehmen und darauf hinzuweisen, daß nichts uns zwingt, unsere Städte in ‘der bisherigen Weise weiterzuentwickeln. Es besteht nicht die geringste Verpflichtung, das Alte, als unzeitgemäß Erkannte irgendwie fortzuset- zen oder zu vollenden. Jedes Haus, jede Straße, die so noch entstehen würde, wäre eine Sünde wider die Vernunft; es sollte er- kannt werden, daß jede Fortführung des alten Gleises den neuen Gedanken Abbruch tut und die neue, vernünftige Wohiform unmittelbar hintertreibt.

Im Gebiet der Stadt sind die Lebensbe- dingungen gegeben durch Handel und In- dustrie, die die Grundlagen unseres Lebens sind, die wir nicht zu ändern vermögen, ohne uns lebensunfähig zu machen, und mit den Lebensbedingungen ist die Lebenshal- tung und das Lebensbedürfnis bestimmt. Die Grüngebiete sind ein Teil dieses Be- dürfnisses, unter diesem Gesichtspunkt, nicht dem ländlicher Romantik, zu nutzen.

Diese Grundlagen mögen sich wandeln, ihre Tendenz wird bleiben, trotz aller Rück- schläge, trotz alles Bewußtseins persönli- cher Ohnmacht, solange Menschen leben: Unterwerfung der Natur, und zwar nicht so wie der primitive Ackerbauer das auffaßte, sondern Unterwerfung bis zur Unabhängig- keit von ihr. Das scheint gesetzmäßig dem Menschen verknüpft und drückt sich neuer- dings, so absurd das klingen mag, sogar in der modernen Landwirtschaft aus. Hier lie- gen auch die Grundlagen der zukünftigen Wohnung (im Hochbau sowohl wie im Flachbau), dahin ist sie zu entwickeln, Frei-

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heit und Selbstbestimmung zu erlangen für das eigentliche über Selbsterhaltung und Naturgebundenheit hinaus sich erhebende Leben. In der wachsenden Freimachung dieser Kräfte liegt auch trotz aller betrü- benden Begleiterscheinungen, die an die ge- wordene Form geknüpft sind, die starke sittliche Rechtfertigung der Großstadt.

Daß diese Stadt zuformen und nicht als naturwüchsig gegeben hinzunehmen ist, wird eine nicht ferne Zukunft bewei- sen, notwendig nur eins, ein Wille, der ver- sucht, sich gegen die entgegenstehenden tausend Schwierigkeiten und Bedenken durchzusetzen, glücklichere Wohnbedin- gungen und damit vielleicht glück- lichere Menschen zu schaffen. Dieser Wille wird ebenso auf die zweite außer der Stadt- und Wohnform ausschlaggebende Daseins- erundbedingung Einfluß ausüben müssen, auf de Arbeitsform. Es soll hier nicht unterlassen sein, auf ihre grundlegende Be- deutung für das heutige Leben auch in die- sem Zusammenhang besonders hinzuwei- sen und zu ihrer Umgestaltung (Ausgleich der menschlichen .Mechanisierung) wieder- um anzuregen,

Bildtelegraphie mit. Hilfe von Buchstaben-

telegrammen und Lochstreifen. Von Prof. Dr. ARTHUR KORN.

ie die Entwicklung aller technischen Erfindungen vor allem durch die praktischen Anforderungen beeinflußt wird und theoretische Gesichtspunkte, so interes- sant und so fruchtbar sie für eine fernere Zukunft sein mögen, hierbei in den Hinter-

A Gravir Korn Fig. 1. Unterschrift durch ein Worttelegramm von

Rom nach Berlin übertragen und mit der Schreib- maschine im Empfänger geschrieben,

grund gedrängt werden, zeigt sich auch bei dem jüngsten Zweige der Elektrotechnik, der telegraphischen Uebertragung von Pho- tographien und graphischen Darstellungen aller Art.

Es war möglich geworden, Handschrif- ten, Zeichnungen, sowie Photographien mit allen Tönungen durch Drahtleitungen tele- graphisch zu übertragen, und die Resultate waren zweifellos ihrer Qualität nach für die praktische Anwendung bei illustrierten Zei- tungen, für die Kriminalpolizei, für militä- rische Zwecke u. a. ausreichend; eine

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Schwierigkeit ihrer praktischen Anwendung lag indessen darin, daß während der Ueber- tragung eine Synchronbewegung d. h. ge- nau gleichzeitige Bewegung zwischen Ge- ber und Empfänger sehr präzis aufrecht er- halten werden mußte; das Bild im Emp- fänger wurde praktisch zu dersel- ben Zeit reproduziert, wie esim Ge- ber abgetastet wurde, und die telegra- phische Leitung mußte während dieser Zeit zur Verfügung stehen; wenn in dieser Zeit irgend ein Versehen bei den Gebe- oder Empfangsapparaten vorkam oder irgend eine Störung in der Leitung, so mußte im allgemeinen die Uebertragung wiederholt werden, wozu neue Verabredungen zwi- schen Geber und Emp- fänger notwendig wa- ren, vor allem die Ueberlassung der telegraphi- schenLinie für ei- ne wiederholte Ueber- tragung.

Es ist zweifellos, daß die organisatori- schen Schwierigkeiten der Synchronübertra- gung allmählich über- wunden wurden; für die Einführung der Bildtelegraphie in den praktischen Gebrauch der illustrierten Zei- tungen, sowie den Er- kennungsdienst der Polizei ist es aber durchaus notwendig, Uebertragungen auch bei den größten Ent- fernungen, z. B. zwi- schen Europa und Amerika, mit Sicher-

heit ausführen zu können und von den oben genannten organisatorischen

Schwierigkeiten unabhängig zu

machen.

Aus diesem Grunde habe ich neben der Ausbildung der Methoden der Synchron- übertragung (Selenmethode und telautogra- phische Methode, vgl. Umschau 1911, Nr. 4l, sowie den folgenden Aufsatz) auch Methoden ausgearbeitet, bei welchen im Geber das zu übertragende Bild auto- matisch in ein Buchstabentele- gramm oder in einen telegraphi- schen Lochstreifen verwandelt wird; dieses Telegramm wird in gewöhn- licher Weise mit oder ohne Draht, wie je- des andere Telegramm, zum Empfänger ge-

Fig. 2. Fingerabdruck durch ein Worttelegramm übertragen und mit der Schreibmaschine im Emp- fänger geschrieben.

sandt und dient am Empfangsorte zur Re- produktion des Bildes. Der Grundgedanke dieser sog. statistischen Methode war schon mehrfach aufgetaucht, die Aus- führungen beschränkten sich aber auf eine ziemlich grobe Statistik. Man legte z. B. auf eine Photographie ein karier- tes Blatt Seidenpapier und gab je- dem kleinen Viereck auf dem Seidenpapier die Bezeichnung a, b oder c, je nachdem unter demselben ein dunkles, helles oder mittleres Element der Photographie lag, und man telegraphierte diese Statistik zum Empfänger. In neuerer Zeit hat man auch wohl mehr als 3 verschiedene Tönungen geschätzt, die ganze Zerlegung hatte aber etwas Subiektives an sich, und man mußte sich mit sehr groben Resultaten begnügen. Erst die von mir aus- gebildeteSelenme- thode hat die Mög- lichkeit einer objek- tiven i Statistik mit beliebiger Detaillierung ge- geben; diese Methode

ist vor einiger Zeit auch in dieser Zeit- schrift beschrieben

worden (vgl. Umschau 1918 Nr. 26), ihr we- sentliches Kennzei- chen ist, daß eine Photographie im Ge- ber als transpa- renter Film von Lichtstrahlen

durchleuchtet wird. Der Transpa- renz jedes Elementes der Photographie ent- wird der elektrische Wider- stand einer Selenzelle beeinflußt, und der Uebersetzer eines Siemensschen Schnelltelegraphen druckt z. B. ein a, wenn das betreffende Element die dunkelste Tö- nung, ein z, wenn das Element die hellste Tönung hat, während die anderen Buch- staben den Mitteltönungen entsprechen.

Indem die Photographie, Element für Element, Zeile für Zeile durch die Selen- zelle abgetastet wird, entsteht gleichzeitig automatisch ein Buchstabentele- gramm (oder, wenn man will, ein tele- graphischer Lochstreifen), welches das Bild darstellt. Das Telegramm wird auf dem ge- wöhnlichen Wege (mit oder ohne Draht) zum Empfänger gesandt und am Empfangs-

sprechend,

BILDTELEGRAPHIE ÜBER MEHR ALS 1000 KM DRAHTLEITUNG

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ort mit einer gewöhnlichen Schreibmaschine geschrieben, die nur insofern abgeändert ist, als die Typen durch kleine Quadrate oder Rechtecke ersetzt sind, die in ihren Dimensionen abgestuft sind. Z. B. wird einem a ein kleines Rechteck entsprechen, welches die ganze einem Buchstaben auf der Schreibmaschine zustehende Fläche aus- füllt, einem b wird ein kleineres Rechteck entsprechen usw. bis zum z, welches einem Intervall auf der Schreibmaschine ent- spricht. Bei Verwendung von Lochstreifen kann die Repro- duktion auch au- tomatisch erfol- gen.

Diese Metho- de ist nach La- boratoriumsver- suchen (1914 bis 1921) im Jahre 1922 zum ersten Male auf große

Entfernungen von den draht- losen Stationen (Centocelle und San Paolo) von Rom erprobt worden. Es wur- den Photogra- phien auf Schif- fe im Mittellän- dischen Meer, nach Massaua und auf dem We- ge über Nauen und Bar Harbor nach New York übertragen. Die Anwendung auf

graphie eine genügende Geschwindigkeit der Uebertragungen gestattet; dann wird die Anwendung der Bildtelegraphie auf Uebersee-Uebertragungen sicherlich sehr ausgedehnt werden. Inzwischen gewinnt die telautographi- sche Uebertragung von Handschriften, Zeichnungen, Fingerabdrucken eine neue Bedeutung dadurch, daß diese Uebertra- gungen mit Hilfe von Buchstabentelegram- men im allgemeinen den fünften Teil der Buchstabenzahl erfordern, welche für eine

getönte Photo- graphie erfor- derlich sind.

Während es für eine getönte Photographie

erforderlich ist,

jedem Elemen- te einen Buch- staben zuzuord- nen, kann man bei Schwarz- und Weißbildern je 5 Elemen- te durch ei- nen Buch- staben dar- stellen,*) und man kann sọ mit Hilfe we- sentlich kleine- rer Telegram- me Unterschrif- ten, Zeichnun- gen, Fingerab- drucke übertra- gen.

Die hier wie- dergegebenen

so große Ent- beiden Abbil- fernungen bleibt dungen stellen natürlich auf drahtlose Ueber- wichtige Aus- Fig. 1. Telegraphische Uebertragung einer Photographie. tragungen zwi- nahmefälle be- nach dem Verfahren von C. F. Jenkins. schen Rom und

schränkt, solan- ge nicht wesent- liche Ermäßigungen für derartige Bildtele- gramme bewilligt werden, die zum Bei- spiel für Porträts auch bei geeigneten Ab- kürzungen 1000 Worte zu 5 Buchstaben enthalten,

Es ist zu hoffen, daß der in Deutschland und Italien bereits bewilligten Herabsetzung der Gebühren für Bildtelegram- m e auf die Gebühren der Pressetelegramme weitere Herabsetzungen folgen werden, so- bald die Ausbildung der drahtlosen Tele-

Das Bild ist aus Linien verschiedener Dicke zusammengesetzt, die den hellen Berlin dar. und dunklen Stellen der Photographie entsprechen,

Bildtelegraphie über mehr als 1000 km Draht- leitung und auf drahtlosem Wege.

[" Amerika scheint man mit der elektri- schen Uebermittelung von Photographien auf große Entfernung und auch in der Kürze der dazu nötigen Zeit mit mehr Enthusias-

*) Die Schreibmaschine im Empfänger ist für diese An- wendung so eingerichtet, daß jedem Buchstaben eine Kombi- nation von 5 Eindrücken entspricht, so daß mit jedem Buch- staben 5 Elemente des Originalbildes reproduziert werden,

690 BILDTELEGRAPHIE ÜBER MEHR ALS 1000 KM DRAHTLEITUNG ....

Fig. 2. Die Bild-Sendeanlage in Cleveland,

A = Lampe; B = Linse; C = Photoelektrische Zelle; D = Synchronmotor; E = rotierender Zylinder,

mus zur Praxis überzugehen als bei uns. arbeitet, das aber bei uns nicht zur Einfüh- So berichten mehrere amerikanische Zeit- rung kam. Jedenfalls stellt es eine vielver- schriften von gelungenen Bildübertragun- sprechende Bereicherung: des Pressedien- gen auf dem Leitungswege (über 1000 km Drahtlei- tung) zwischen Cleveland in Ohio und New York. Die eigentliche Uebertragung geschah in vier Minuten 36 Sekunden. 44 Minuten nach der Aufnahme in Cle- veland war eine Straßen- szene bereits in New York wiedergegeben. Der Ge- danke solcher Uebertra- gungen ist nicht neu. Seine Verwirklichung und Ein- führung hängt von dem Vorhandensein der techni- schen Hilfsmittel und von dem Bedürfnis nach sol-

chen Einrichtungen ab. Fig. 3. Schema der Bild-Sendeanlage in Cleveland,

Prof. Korn hat sche i

Jahren in Denie hl: a vor Das Bild zeigt einen Blick in den rotierenden Zylinder, der den photographischen T l eutschland ein Film enthält, auf den ein starker Lichtstrahl aus der Lampe durch das Diaphragma ähnliches Verfahren ausge- und Linse fällt. Der Zylinder wird getrieben durch den elektrischen Synchron-Motor.

SENDESTATION

BILDTELEGRAPHIE ÜBER MEHR ALS 1000 KM DRAHTLEITUNG ....

stes dar, die noch Er- weiterungen nach den verschiedensten Rich- tungen zuläßt.

Im folgenden sei kurz an Hand einiger Bilder das Prinzip der Uebertragung erläu- tert. Das zu übertra- gende Bild wird auf eine durchsichtige hohle Walze (Bild 2 und 3) aufgelegt. Ein von einem Beleuch- tungssystem ausge- hender _ Lichtstrahl fällt durch den Zylin- der hindurch auf eine im Innern befindliche feststehende photo- elektrische Zelle. Die Walze führt außer der Drehung um ihre Achse auch eine fort- schreitende Bewegung aus, so daß der Lichtstrahl jeden Punkt des Bildes einmal passieren muß. Je nachdem die betr, Stelle des Bildes hell oder dunkel ist, fällt mehr oder weniger Licht auf die Zelle, die einen der jeweiligen Helligkeit entsprechenden Strom nach der Empfangsstation sendet. Dort (Bild 4 und 5) wird durch den Strom, der unterwegs nach Bedarf durch Zwi- schenverstärker auf der erforderli- chen Höhe gehalten wird, ein Elektromag- net betätigt, welcher der Stärke des Stro- mes entsprechend eine Blende mehr oder weniger öffnet. (Selbstredend ist damit nur

EMPFANGSSTATION

DIAPHRAGMA ELEKTROMAGNET \

VERSTÄRKER

Fig, 5. Schema der Bild-Empfangsanlage in New - York.

die den Stromkreis

An der Empfangsstation wirken die

ein magnetisch gesteuertes Diaphragma, das dauernd verändert,

Film, welcher unter langsamer seitlicher Verschiebung davor rotiert. Linien von wechselnder Stärke, die auf dem lichtempfindlichen Film festgehalten werden,

SYNCHRON- MOTOR

niederfrequenten Ströme, passieren (Radio-Sende- und -Empfangsstationen können dabei verwendet werden) auf den Durchmesser Diese Strahlen fallen durch eine Linse auf einen unexponlerten

691

Fig. 4. Die Bild-Empfangsanlage in New - York.

das Prinzip dieser Einrichtung und nicht die eigentliche technische Ausführung ange- deutet, die z. B. bei dem Verfahren von Prof. Korn eine ganz ausgezeichnete Aus- bildung erlangt hat.) Durch die Blende fällt ein feiner Lichtstrahl auf einen Film auf einer Walze, die in ihrer Größe, Anordnung und Bewegung genau der in der Sendesta- tion entspricht. Der vollständige Gleichlauf der beiden Walzen wird durch Synchron- motore erreicht. (Es gibt außerdem eine Reihe von anderen. Verfahren, die, bis ins einzelne ausgearbeitet, jeden Grad des Gleichlaufs der beiden Walzen gewährlei- sten.) Diese Steuerung kann auf einer be- sonderen Leitung erfolgen, aber auch die zur eigentli- chen Bildübertragung die- nende mitbenutzen. Durch die Größe der Oeffnung der Blende wird die Stärke der Belichtung geregelt, so daß jeder Punkt des Aufnahme- filmes entsprechend der Schwärzung des Bildes in der Sendestation belichtet wird. Das Bild besteht demnach aus einer Reihe feiner Striche (Fig. 1), die da, wo an den Stellen kein Licht auf den Film fiel, aus- fallen und an den andern je nach der Stärke der Belichtung mehr oder we- niger dick sind, da die Schwärzung des photogra- phischen Papiers sich bei starker Belichtung etwas

eines Lichtstrahls

Es entstehen

692 über die belichtete Stelle ausdehnt. Bild 3 zeigt die Einrichtung eines Aufgabeappara- tes der Sendestation, die Bild 2 entspricht. Die einzelnen Teile sind unschwer zu er- kennen.

Ob nun die Uebertragung auf Drahtlei- tungen geschieht oder auf drahtlosem We- ge, ist bei dem heutigen Stande der Technik 2jemlich belanglos. Bei der Uebertragung auf Leitungen fallen die Verzerrungen durch Selbstinduktion und Kapazität der Leitung besonders bei schneller Uebertra- gung ins Gewicht, sind aber durch beson- dere Maßnahmen, die bei der Drahttele- graphie bekannt und auf allen großen Lei- tungen in Betrieb sind, auszugleichen. Ge- schieht die Uebertra- gung auf drahtlosem Wege, so fallen zwar diese Störungen auf dem Wege durch den Aether fort, dafür kön- nen aber atmosphäri- sche Einflüsse und Störungen durch an- dere Stationen die Uebertragung über- haupt in Frage stel- len. Die Uebertra- gung auf Kabeln wird nach dem heutigen Stande der Technik die

sicherste Methode sein. Auch Versuche der Uebertragung auf drahtlosem Wege sind in Amerika bereits durchgeführt. Viel ge- nannt wirdC.Francis

Dr. E. KALLERT, HYGIENE UND TECHNIK DES GEFRIERFLEISCHES.

Hygiene und Technik des Gefrier-

fleisches. Von Dr. E. KALLERT.

as Gefrierfleisch hat seit dem Kriege

für die Ernährung des deutschen Vol- kes steigende Bedeutung erlangt. Es ist dies eine unmittelbare Folge der schlechten wirtschaftlichen Lage, durch welche die Kaufkraft der Bevölkerung. so herabge- drückt wurde, daß die hohen Preise für das inländische frische Fleisch nicht mehr be- zahlt werden können und der Verbrauch sich mehr und mehr dem um die Hälfte bil- ligeren Gefrierfleisch zuwenden muß. Die- se Erscheinung be- schränkt sich keines- wegs auf Deutschland, man findet sie ebenso in’ den sog. Sieger- staaten, in Frankreich, Belgien, England und Italien. So stieg die Einfuhr von Gefrier- fleisch im Jahre 1923 gegen 1922 in Deutsch- land von 21 auf 50, in Frankreich von 35 auf 65, in Belgien von 31 auf 70 und in Italien von 15 auf 25 Millio- nen Kilogramm. An der Spitze aller Ein- fuhrländer steht Eng- land, das schon vor demKriege annähernd 40 Prozent seines ge- samten Fleischbedar-

Jenkins, der die fes mit Gefrierfleisch ersten praktischen Fig. 6. C. Francis Jenkins, deckte, mit einer Ein- Vorführungen draht- der Erfinder der Bildübertragungsmethode. fuhr von 925 Millio- loser Bildübertragung nen Kilogramm im

in seinem Laboratorium zeigte. Bild 6 zeigt den Erfinder, Bild 4 den von ihm verwende- ten Empfänger und Bild 1 endlich ein dralıt- los übermitteltes Porträt. Die Einzelheiten der Uebertragung sind so gut wiedergere- ben, trotzdem bei der Reproduktion viele Feinheiten verlorengegangen sind, daß die Erfindung bei weiterer Vervollkommnung sich noch manche Anwendungsgebiete zu erobern verspricht. Z. B. denkt man an die Uebertragung von Unterschriften, .‚Identi- tätsnachweisen, Photographien verfolgter Verbrecher, ja sogar an die Uebermittlung ganzer Zeitungstexte auf diesem Wege,

G.

Jahre 1923 gegen 821 Millionen im Jahre 1922.

Das Gefrierfleisch stammt durchweg aus fernen Ländern, aus Argentinien, Uruguay, Brasilien, Australien und Neuseeland. Bis es in die Hände des europäischen Verbrau- chers kommt, hat es weite Transporte zur See und mit der Bahn hinter sich, oft auch eine längere Lagerzeit in den Kühlhäusern des Herkunfts- oder Empfangslandes. Es ist ohne weiteres klar, daß es besonderer hy- ejenischer und technischer Maßnahmen be- darf, um ein so leicht verderbliches Nah- rungsmittel wie das Fleisch so lange Zeit in tadellosem Zustand zu erhalten. Hy-

Fig. 1. Schlachthallen des Gefrierwerkes „Uruguaya“ in Montevideo,

giene und Technik haben sich vereinigt, um der minderbemittelten Bevölkerung aus den inermeßlichen Vorräten überseeischer Ge- biete in Gestalt des Gefrierfleisches eine billige und vollwertige Fleischnahrung zu- zuführen,

Das wichtigste Erzeugungsland für Ge- frierfleisch ist Argentinien, das weit über die Hälfte der gesamten Weltproduk- tion aufbringt. Die argentinischen Verhält- nisse können als Beispiel und Vorbild für die Gefrierfleischproduktion auch der übrigen Länder gelten. Argenti- nien besitzt bei 10 Millionen Einwohnern 37 Millionen Rinder und 50 Millionen Scha- fe. Seine 10 (iefrierwer- ke können täglich 11000 Rinder und 25 000 Scha- fe verarbei- ten. Die Ge- frierwerke sind mit al- len Hilfsmit- teln moder- ner Technik und Hygiene ausgestattet, Der gesamte Betrieb steht

die den ganzen Werdegang des Ge- frierfleisches vom lebenden: Vieh bis zum fertigen Produkt überwachen und für die Durchführung der dafür erlassenen stren- gen Gesetze sorgen. So wird das an- kommende Vieh auf seinen Gesund- heitszustand untersucht, wobei kranke Tiere ausgeschieden werden, es werden die Vorbereitung der Tiere für die Schlachtung, diese selbst, die Zurichtung, das Einfrieren und Verpacken des Fleisches beaufsichtigt. Die von auswärts eintreffenden Tiere dür- fen erst nach einer Ruhepause von 48 Stun- den geschlachtet werden, eine für die Güte und Haltbarkeit des Fleisches sehr wichtige Maßnahme. Auf dem Wege zu den Schlachthal- len werden die Tiere durch ein Bad ge- trieben, wodurch die Möglichkeit einer Ver- unreinigung des .Flei- sches beim Schlachten wesentlich verringert wird. Fleischund

unter dau- Eingeweide

ernder Auf- werden von

sicht voif be- den Regie- amteten Fig. 2. Gefrierraum in einem argentinischen Gefrierwerk, rungstier-

Tierärzten,

Im Vordergrund versandfertig eingepacktes Fleisch,

Ärzten einer

694

sorgfältigen Untersuchung un- terzogen, die hygienische Beurteilung des Fleisches erfolgt dabei vielfach nach strengeren Gesichtspunk- ten als bei uns. Jedes zur Aus- fuhr gelangende Stück wird vor der Verladung nochmals besichtigt und erhält zum Zeichen, daß es als gut befunden wur- de, den Stempel des Landwirtschaftsmini- steriums. Diese staatliche Kontrolle üben die Expörtländer im eigensten Interesse aus, denn jede ernstliche Beanstandung des Fleisches im Empfangslande würde zu einem Rückschlag für das ganze Exportge- schäft und damit zu einer empfindlichen wirtschaftlichen Schädigung führen. Wie

wirksam diese hygienische Kontrolle ist, be- weist die Tatsache, daß noch kein Fall einer durch

Gefrierfleisch her-

RN TE, Wa I Te

Dr. E. KALLERT, HYGIENE UND TECHNIK DES GEFRIERFLEISCHES.

Wasser gründlich von Blut gereinigt. Nach- dem die Stücke in den Trockenhallen ober- flächlich trocken und auf die Temperatur der Umgebung abgekühlt sind, werden sie zur Vorbereitung des eigentlichen Ge- frierprozesses in die Vorkühlräume überführt, wo sie einer Temperatur von C über Null ausgesetzt werden. Dann endlich gelangen sie in die Gefrierräume, wo sie bei 10—20° Kälte völlig durchirie- ren. Die erforderliche Kälte wird durch Kältemaschinen modernster Art erzeugt. So arbeitet z. B. das größte argentinische Ge- frierwerk, die Compañia Sansinena, mit 7 Kältemaschinen und verfügt über 32 Ge- frierräume mit 29000 Kubikmeter Inhalt. Nach dem Durchfrieren erhält jedes Stück eine Umhüllung aus dünnem weißem Baumwollstofif und eine

nn" en ae a

Fig. 3. Gefrierfleisch in einer Londoner Kühlhalle fertig zum Verkauf.

vorgeruienen Erkrankung beim Menschen bekannt geworden ist. Demgegenüber sei auf die leider nicht sel- tenen, durch inländisches Frischileisch ver- ursachten Massenerkrankungen, die sog. Fleischvergiftungen, hingewiesen.

Zur ‚Herstellung des Gefrierfleisches werden nur junge, ausgemästete Tiere ed- ler Rassen ausgesucht, deren Fleisch sich am besten für diese Art der Konservierung eienet. Das Fleisch wird zur Erzielung gu- ten Aussehens und langer Haltbarkeit mit vorbildlicher Sauberkeit behandelt. So werden die Tierkörper sofort nach der Schlachtung an den Hinterbeinen aufge- hängt, enthäutet und freihängend automa- tisch fortbewegt an den einzelnen Schläch- tern vorbei, von denen jeder seine bestimm- te Arbeit auszuführen hat. Am Ende dieser Wanderung sind die Tiere vollkommen aus- geschlachtet. Die Oberfläche des Fleisches wird dann mit destilliertem oder filtriertem

zweite aus Jute. Diese Einhüllung schützt das Fleisch auf dem Transport vor Verunreinigungen. Die fertigen Packstücke werden bis zum Versand in Lagerräumen bei 10 Grad Kälte aufgestapelt. Der Trans- port über See erfolgt in besonderen Damp- fern, die mit Kältemaschinen und Gefrier- räumen ausgestattet sind. England besitzt eine Flotte von 328 Gefrierfleischdampiern, die 690 Millionen Kilogramm Fleisch beför- dern können.

In den Einfuhrländern besteht die Hauptaufgabe der am Gefrierfleisch- handel beteiligten Kreise darin, das Fleisch bis zum Augenblick des Verbrauches vor jeder Schädigung zu bewahren. Dies kann nur durch sorgfältige sachgemässe Behandlung erreicht werden. Vor allem muß dafür gesorgt werden, daß das Fleisch dauernd hart gefroren bleibt, denn nur dann ist es vor den Angrif- fen der Fäulnisbakterien geschützt. In den

Dr. E. KALLERT, HYGIENE UND TECHNIK DES GEFRIERFLEISCHES.

Fig. 4. Querschnitt durch frisches Fleisch. Die polyedrischen Querschnitte der Muskelfasern liegen dicht nebeneinander (Vergr. etwa 200fach).

Lagerhäusern der Kühlhäuser wird des- halb ständig eine Temperatur von 8—10 Gr, unter Null eingehalten. Die Stapelung des Fleisches muß so vorgenommen werden, daß die kalte Luft von allen Seiten Zutritt hat. Ferner Soll für genügende Bewegung der Luft in den Lagerräumen gesorgt werden, auch muß die Luftfeuchtigkeit innerhalb ge- wisser Grenzen, zwischen 90—92 Prozent, bleiben. Alle diese Maßnahmen haben’ in erster Linie den Zweck das Wachstum der Schimmelpilze zu verhüten, des einzigen Lebewesens, das gefrorenes Fleisch während der Lagerzeit ernstlich bedroht. Der Versand des Gefrierfleisches im In- lande geschieht in Spezial-Waggons,

Fig. 6. Querschnitt durch zu schnell aufgetautes Fleisch. Zwischen den Muskelfasern sind noch große Lücken vorhanden (Vergr. etwa 290 fach).

695

Fig. 5. Querschnitt durch gefrorenes Fleisch.

den Muskelfasern sind breite Lücken entstanden (Vergr, etwa 290fach).

Zwischen

sogen. Wärmeschutzwagen, deren gute Isolierung das Auftauen des Fleisches ver- hindert. Auf den großen Wasserstraßen Deutschlands, Rhein und Elbe, dienen zum Versand Flußschiffe mit maschinell gekühl- ten Räumen.

Von besonderer Bedeutung ist die Art des Auftauens. Beim Frieren erfolgt nämlich in der Fleischfaser eine Trennung des Wassers von den Kolloidsubstanzen, das Wasser -verlässt auf dem Wege der Osmose die Fleischfaser, sammelt sich zwischen den Fasern und Faserbündeln und erstarrt hier zu Eis. Auf diese Weise ent- stehen im Fleisch unzählige mit Eis gefüllte Lücken. Diese tiefgehenden Veränderungen

Fig,7. Querschnitt durch langsam aufgetautes Fleisch

Die Lücken zwischen den Muskelfasern sind verschwunden,

sodaß kein Unterschied mehr gegenüber frischem Fleisch besteht (Vergr. etwa 290fach).

696

müssen beim Auftauen: wieder ausgeglichen werden. Dies gelingt durch langsames Auftauen desFleisches, wobei das aus den Fasern ausgetretene Wasser durch Quellung von diesen wieder aufgenommen wird. Es verschwinden die beim Frieren ent- standenen Lücken und aus frischen Schnitt-

BETRACHTUNGEN UND KLEINE MITTEILUNGEN.

nußwert völlig gleichkommt. Nicht nur zahlreiche, vergleichende Probeessen haben das in den letzten Jahren bewiesen, sondern vorallem die in den Einfuhrländern von den breiten Massen der Bevölkerung gemachten Erfahrungen. Gerade in England, wo seit Jahrzehnten das Gefrierfleisch ein

flächen fließt so gut wie kein Saft ab. wahres Volksnahrungsmittel ist, und der Schnell auf- Verbrauch getautes desselben im Fleisch ver- letzten Jahre liertdagegen 46 Prozent beim An- or Gesamt- schneiden F J i eischkon- erhebliche ee un, Fleisch ch Einfuhr Gesell scha mbH. > sums betrug, Saftmengen A En | ‘_Ham burg. ist erst kürz- und oana ra. L lich wieder schmeckt = eine allge- trocken. meine He- Ganz ver- bung des Ge- fehlt ist es, sundheitszu- das Fleisch standes der in gefrore- Fig. 8. Spezialwagen für den Gefrierfleischversand, Bevölke- nem oder rung fest- unvollständig aufgetautem Zustand zu zer- gestellt worden. Dem verarmten deut- teilen, wie das leider noch häufig geschieht, schen Volk, dessen Fleisch-Verbrauch denn aus den zahlreichen neuen Schnittflä- heute kaum die Hälfte des Vorkriegs- chen fließt dann beim Auftauen sehr viel verbrauches ausmacht, gibt die Ein-

Saft ab. Für das Auftauen des Geirierilei- sches gilt also die Regel: langsam in ganzen Stücken auftauen.

Es besteht heute kein Zweifel mehr da- rüber, daß sachgemäß behandeltes Gefrier- fleisch frischem Fleisch im Nähr- und Ge-

fuhr von Gefrierfleisch die Möglichkeit, sich die für seine Gesundheit und Leistungsfähig- keit unentbehrliche Fleischnahrung in aus- reichenden Mengen und zu billigen Preisen zu verschaffen,

BETRACHTUNGEN wu

2 > MITTEILUNGEN

Krebsgeschwülste im lebenden Körper zu pho- tographieren, soll nach einer Pariser Meldung der American Medical Association den Dr. A. Kot- zareff und L, Weyl gelungen sein. Sie ent- nehmen zu diesem Zwecke dem Körper eine kleine Blutmenge und gewinnen aus dieser das Serum, Nachdem diesem eine geringe Dosis Radiumema- nation zugegeben wurde, wird es dem Körper wie- der einverleibt. Die Emanation häuft sich inner- halb des Körpers vor allem da an, wo sich rasch wachsende Gewebe finden. Unter normalen Ver- hältnissen gilt das für Embryonen. So ist es denn auch gelungen, bei einem trächtigen Schwein die Hauptmenge der Emanation einige Zeit nach der Injektion in dem Embryo nachzuweisen. Da aber auch bösartige Geschwülste, wie Krebs, sehr rasch wachsen, sind auch sie Ansammlungsorte für die Emanation. Eine Aufnahme, die einige Zeit nach der Injektion gemacht wird, zeigt Orte besonders starker Emanationshäufung und damit die Lage bösartiger Geschwülste, L;

Der Arzt und der Wilde. In seinem Buch über primitive Mentalität gibt Prof. Lévy-Bruhl in- teressante Aufschlüsse über das Verhalten des P r i- mitiven gegenüber europäischen Arz- neimitteln und Aerzten. Was für ein gei- ziger Mann bist du! Was für ein Getue machst du! Warum gabst du mir nicht ein Geschenk, als du von mir gingst? sagte ein Congohäuptling zu dem Reverend Bentley, der ihn behandelt hatte und kam, nach ihm zu sehen. Dieses sonderbare Be- tragen zeigen die zentralafrikanischen Eingebore- nen, die Neuguinealeute, die Melanesier, die süd- amerikanischen Indianer gegenüber den Aerzten und Missionaren. Z. B. verlangt der Wilde, von einem großen, ekelhaften Geschwür befreit, ein Ge- schenk von seinem Wohltäter und kann es nicht verstehen, daß der Weise dies unlogisch findet. Der Eingeborene ist zunächst nicht überzeugt, daß ae Weise irgend eine Belästigung durch seinen Fall hat; seine Behandlung, wenn auch noch so müh- selig, seine Vorschriften, Verbände usw. faßt er als

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ec co >> RE Sc a]

Eine große Prämienverteilung

für die Leser der Umschau in Bar- und Bücherprämien

veranstaltet der Verlag im Herbst im Rahmen der Abonnenten-Werbung. Wir laden hierdurch alle Leser zur Teilnahme an dieser Werbung ein. Die gestellte Aufgabe ist nicht schwierig, der Leser hat nur nötig,

eine Liste mit Adressen an uns einzusenden.

Die Adressen werden dann von uns benutzt, unterstützen kann. Die Adressen müssen um eine Probelieferung der Umschau postreif und deutlich geschrieben sein, mög- kostenlosvorzunehmen,wobeiderName |lichst nur auf Quartblättern (nicht zu viel auf des Einsenders der Adressen nicht genannt einem Blatt, Rückseite leer), Außer den werden wird. Erwünscht sind nur sorgfältig Adressen darf jede Liste nur Namen, Wohn- ausgewählte AdressenvonLeuten,beidenen ort u. Wohnung des Absenders in deroberen Interesse für die Umschau. vorausgesetzt linken Ecke enthalten. Die Einsendungen werden kann, nicht aber aus Adreßbüchern sindbaldigst,spätestensaberbiszum28. unddergl.beliebigabgeschriebene.DieWer- September 1924, an den Verlagder Um- bungselbst ist dann unsere Sache, worin schau (Abt. Wettbewerb), Frankfurt-M. uns der Einsender der Adressen durch per- Niddastraße 81 zu richten. Die Prämien- sönliche Empfehlung der Umschau wirksam verteilung erfolgt 6 bis 8 Wochen später.

Für die Einsendung von pop AMIEN ii Listen setzen wir ausan m Für jeden einzelnen neuen Bezieher der Umschau, der aus einer eingesandten Liste von uns gewonnen wurde, einen Betrag von 1.60 Goldmark (also z. B. bei 10 gewonnenen Beziehern eine Barprämie in Höhe von 16 Goldmark),

dazu für die erreichten Höchstzahlen gewonnener Bezieher folgende

Bücherprämien im Gesamtwerte von 1000 G.-M.

deren Verteilung in der Weise erfolgt, daß die erste Buchprämie derjenige Einsender erhält, dessen Listen die meisten gewonnenen Bezieher erbrachten, die zweite Buchprämie der zweite erfolgreichste Einsender u. s. w.

verzeichnis der Bücher-Prämien:

. Brockhaus Handbuch des Wissens. 15. bis 16. „Hevellus“ Handbuch für Freunde der Astronomie

4 Bde., Vorzugsausgabe in Halbpergament_mit Fadenhef- (Ferd, Dümmler's Verlag, Berlin) . 2X15 = 30 Gm. tung und Goldschnitt . 130 Goldmark. 17. bis 18, Carter u, Mace, Tut- ench-Amun, “(Verla EA 2, Fürst, Das Weltreich der "Technik, 2 Bde, (Verlag Ull- Brockhaus, Leipzig) 13= 26 Gm, stein. Berlin) . . $ . . 60 Gm, 19, bis 23. „Die Umschau“, vollständiger er 1923 gebunden 3, Banse, Lexikon der "Geographie, 2 Bde, "(Veria ig Georg (schönes Weihnachtsgeschenk! A 5X12 = 60 Gm, Westermann, Braunschweig), das einzige moderne Nach- 24, bis 25. Littrows Sternatlas, große Ausgabe (Ferd, Dümm- schlagebuch . 60 Gm, ler’s Verlag, Berlin) . 2X8 = 16 Gm 4. Kant, Hauptschrliten, 4 Ħalblderb. in Ka assette (Verl. Felix 26. bis 27. Bürgel, Aus fernen Welten (Verl. Ullstein, Berlin) Meiner, Leipzig) . . 55 Gm, 2X7,50= 15 Gm, 5, Westermann’s Weltatlas “(Verlag Georg Westermann, 28. bis 20, Fürst, Im BAAETENR von Nauen (Dtsch, Verlags- Braunschweig), vereinigt in sich Weltwirtschaft, Weltge- anstalt, Stuttgart) . 2X7,50= 15 Gm. schichte, Weltgeographie í . s 33 Gm. 30. bis 31. Bölsche, Stunden im Aul (Dtsch, „Yerlagsanstalt, 6. Rembrandt-Mappe aus der Sammlung „Klassiker d. Gra- Stuttgart) x7 14 Gm, phik“ (Dtsch. Verlagsanstalt, Stuttgart) è . 32 Gm, 32, bis 33, France, "Gewalten der Erde (Verl. isten, Berlin) 7. bis 8. Hagdlerikon der Naturwissenschalten und Medizin, 2X6= 12 Gm. herausgeg, Prof. Dr, J. H. Bechhold, 2 Bde. in Halb- 34, bis 35, Plassmann, Kleine Himmelskunde „Bel Dümm- leinen neh f x32 = Gm. ler’s Verlag, Berlin) . . . . = 120m 9. Vaihinger, Die Philosophie des Als ob. Halblederband 36, bis 37, Roloff, Im Lande der Bibel (Ford Dümmiler's (Verlag Felix Meiner, Leipzig) 30 Gm, Verlag, Berlin) . , 2X5 = 10 Gm, 10. Hedin, Durch Asiens Wüste, 2 Bde. (Verl, F. A, Brock- 38. bis 43. Wasserzieher's Bücher "zur deutschen Sprachpfilege haus, Leipzig) . ANNE ». » 300m. (Ferd. Dümmler’s Verl., Berlin) 3 versch. Bde. je 2mal 11. Storm’s sämtliche Werke, 4 Bde, in. Leinen (Verl, Georg 6X5= Gm, Westermann, Braunschweig) . .„ 21 Gm. 44. bis 63 Wahlweise: Langsdorfi, Das Lelchtilugzeug für 12, Baum, Deutsche Bildwerke des Nitielalters, Leinenband Sport u, Reise, brosch., od. „Wen soll man heiraten“ (Dtsch. Verlagsanstalt, Stuttgart) £ . 20 Gm. (Ergebnis eines Preisausschreibens der „Umschau“). geb. 13. Blum, Der Weltverkehr, 2 Bünde (Dtsch. "Verlagsanstait, 20x3 = 60 Gm. Stuttgart) EN . + 15 Gm, 64. bis 163. Hundert Probebände -der „Umschau“ (je 13 ver- 14. Osborn, Geschichte der" Kunst "(Verlag Ullstein, Berlin) schiedene Hefte enthaltend, als Geschenk geeignet) 5 Gm. 100X%1,50 = 150 Gm.

Verlag der „Umschau“, Frankfurt a. M., Niddastr. 81

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74

698 BETRACHTUNGEN UND KLEINE MITTEILUNGEN. BÜCHERBESPRECHUNGEN.

denselben Hokuspokus auf, wie ihn sein Medizin-

mann machen muß, um sein mysteriöses Prestige -

zu wahren. Und der kann ihn oft durch eine bloße Berührung heilen.

Wenn er sich also einer langen Behandlung unterzieht, so wird er damit eigentlich das Ver- suchsobjekt eines Zauberers und erwartet deshalb von ihm eine Belohnung. Indem er sich vom Wei- Ren, einem Mann mit anderen Göttern, einer anderen Medizin usw. behandeln läßt, wird er von seinen Göttern den Einwirkungen seiner Vorfahren, seines Stammes gleichsam abgeschnitten, er kommt sich vor wie eine verlorene Seele in der Hölle, er klam- mert sich an seinen weißen Mann, der in dieser und der nächsten Welt nun für ihn verantwortlich ist und infolgedessen nun nichts Besseres tun kann, als ihm Geschenke geben, sogar deshalb dazu ver- pflichtet ist. Der Wilde legt das Interesse, das der Arzt für seinen Fall hegt aus wissenschaftlichen Gründen, dessen Streben in seiner Kunst tätig zu sein, in seiner Weise so aus, als ob er ihm einen Gefallen damit erweise. Parallele Gedankengänge können wir auch bei uns, bei manchen Paradefällen finden. RS;

Als Ursache der Bergkrankheit spricht der Italiener Angeli nicht die Herabsetzung des Luftdruckes an, nicht die Minderung des Sauer- stoffes oder die Wirkung der ultravioletten Strah- len, sondern die chemische Zusammensetzung der Luft in größeren Höhen. Schon unter der Gipfel- höhe des Mont Blanc oder des Monte Rosa finden sich eine ganze Anzahl von Stoffen, die schädi- gend auf den Organismus wirken, so Oxyde des Stickstoffis, Ozon, Wasserstoffsuperoxyd und Am- moniumnitrit. Eingeatmet, können sie zu Gesund- heitsstörungen Anlaß geben, und möglicherweise sind sie es, die die Bergkrankheit verursachen. Nach Untersuchungen, die in einem kleinen Labo- ratorium auf dem Monte Rosa in 4600 m Höhe angestellt wurden, stammen die Stickstoffoxyde und das Ammoniumnitrat aus der Zersetzung einer sehr labilen Verbindung und zwar vom Nitrosyl, NOH. Nach dessen großer Neigung zu den Alde- hyden und zu Eisensalzen zu urteilen, steht es in der Giftigkeit der Blausäure nahe, die ein ähnli- ches Verhalten zeigt. Es gelang Angeli als erstem, aus Formaldehyd und der Nitrosylgrippe das ameisensaure Salz RE Ar zu erhalten:

/NOH H eS OH L;

Lähmung durch Druck. Ein französischer Arzt hat in der Pariser medizinischen Gesellschaft einen elf Monate alten Säugling vorgeführt, dessen linker Arm seit einem halben Jahr gelähmt ist. Diese Lähmung ist dadurch zustande gekommen, daß das Kind mit der Mutter in einem Bett schlief, wobei der Ellbogen der Mutter einen Druck auf den kindlichen Armnerv ausübte. Die Finger des armen Kleinen sind klauenartig gekrümmt, und er wird sich der Hand nicht mehr bedienen können, Alle Versuche, durch Elektrisieren eine Besserung des Zustandes herbeizuführen, haben bisher zu kei- nem Ergebnis geführt. Wenn es sich auch um einen ziemlich seltenen Fall handelt, so ist das Schlafen des Kindes in einem Bett mit der Mutter doch immer gefährlich; denn schon oft sind Säug-

linge dadurch erstickt, daß sich die Mutter im Schlaf auf das unglückliche Kind gewälzt hatte.

Kinobilder der Bahnen des Helium-Atoms hat kürzlich Prof, W. D. Harkins einer Versamm- lung der American Association for the Advancement of Science vorgeführt. Die Bahnen sind für gewöhn- lich geradlinig; aber einige von ihnen zeigen eine Ab- lenkung durch Zusammenstoß mit dem Atomkern eines anderen Gases. (Solche Aufnahmen kennen wir übrigens schon von Wilson.) Eine unter den 40.000 Photographien von Harkins zeigt den Zu- sammenprall des Kernes eines Helium-Atoms mit dem schwereren Kern eines Argon-Atoms. Da sich das Helium-Atom mit einer Geschwindigkeit fortbe- wegt, die im Vergleich zu seiner Masse! das 225 Millionenfache der Geschwindigkeit eines Ge- schosses beträgt, handelt es sich geradezu um eine Katastrophe von ungeheurer Wucht. Trotzdem wurde der Argonkern durch. den Stoß nicht zer- trümmert. Das geht daraus hervor, daß das Bild der Bahn auch nach dem Zusammenprall eine ein- fache Linie darstellt, während Trümmer zwei oder mehr Spuren hätten auf die Platte zeichnen müssen.

Li

Kann die Fluggeschwindigkeit ins Ungemessene gesteigert werden? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht nur vom technischen, sondern auch vom physiologischen Standpunkt aus zu erwägen. Den Fähigkeiten des Fliegers ist durch die körperlichen Eigentümlichkeiten eine Grenze gesetzt. Major L. H. Bauer, der Kommandant der Schule für Flug- medizin, macht in „Aviation“ zunächst auf den Ein- fluß der Zentrifugalkraft beim Durchfliegen von Kur- ven aufmerksam. Es wird dann das Blut aus dem Gehirn geschleudert, und die entstehende Blutleere erzeugt Schwindel- und Ohnmachtsanfälle. Ver- suche, die Dr. Garsaux mit Hunden auf rotieren- den Scheiben anstellte, zeigten, daß bei rascher Drehung das Gehirn so fest gegen die Schädelwand gedrückt wurde, daß in einigen Fällen der Tod ein- trat. Unter Umständen kann es zum Reißen von Blutgefäßen kommen. Die knappe Kurve wird also bei steigender Geschwindigkeit eine immer größere Gefahrenquelle bilden. R.

Eotwleungleßtlaie und Artbegriii in ihrer geschichtlichen Entstehung und sachlichen Bezie- hung. Von Dr. Eduard Uhlmann. 116 Seiten. Jena. Gust. Fischer.

Erst als das Wesen des Artbegriffes erkannt war, konnte sich der Entwicklungsgedanke in sei- ner heutigen Form herausbilden. Das zu zeigen, war das Hauptziel von Uhlmanns Schrift.

Dr. Loeser.

Grundzüge der allgemeinen Geographie, II, 2, Morphologie (Schluß). Von Alfred Philippson. VII und 437 S. Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1924. Preis brosch. 16.—, geb. 18.—.

Das Erscheinen der zweiten Hälfte des zweiten Bandes bedeutet nichts weniger als die erste zu-

NEUERSCHEINUNGEN. WISSENSCHAFTLICHE UND TECHNISCHE WOCHENSCHAU. 699

sammenfassende Darstellung der allgemeinen Geo- morphologie aus der Feder eines so hervorragen- den Beobachters und Forschers, wie es Philipp- son ist. Eindringlichste Beachtung aller geomor- phologisch interessierten Kreise gebührt ihr.

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WISSENSCHAFTLICHE = UND TECHNISCHE.

WOCHENSCHAU

Große diluviale Skelettiunde wurden in Unter- Wisternitz an der Thaya in Mähren gemacht. Das Brünner Landesmuseum nahm systematisch Aus- grabungen vor und förderte bisher sieben Mammut-

.skelette sowie Skelette einer ganzen Anzahl ande-

rer Diluvialtiere und eine große Feuerstätte mit vie- len Werkzeugen zutage, Man glaubt, daß es sich um einen größeren Mittelpunkt menschlicher Kultur aus der Diluvialzeit handelt.

Ersatz-Reiieprüfung für Studierende der Wirt- schaits- und Sozialwissenschaft,. Die preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und für Handel und Gewerbe haben eine neue Er- satz-Reifeprüfungsordnung erlassen. Danach wer- den in Zukunft Personen, die im Besitze der Reife

für die Obersekunda einer höheren Lehranstalt nach mehrjähriger Praxis das Schlußzeugnis einer höhe- ren Handelsschule erlangt oder eine kaufmännische Fachprüfung an der Handelshochschule. mit minde- stens dem Prädikat „gut“ abgelegt haben, zu einer Ersatz-Reifeprüfung zugelassen, deren Bestehen zur Zulassung zu den akademischen Prüfungen auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Staatswissenschaften berechtigt. Das Nähere ist auf den Sekretariaten der Universitäten Frankfurt und Köln oder der Han- delshochschulen in Berlin und ‚Königsberg zu er- fahren,

Nachricht von Rasmussen. Von der V. Thule- Expedition nach dem ärktischen Nordamerika ist wieder ein Lebenszeichen in Form eines Tele- gramms, unterzeichnet von dem Leiter Knud Ras- mussen, nach Kopenhagen gelangt. Danach hat die Expedition, die vor zwei Jahren aufbrach und kürz- lich bis Kotzebue nördlich von Noma gelangte, große Erfolge zu verzeichnen. So soll die Ver- wandtschaft zwischen den Grönländern und Zen- tral- sowie West- Eskimos einwandfrei bewiesen sein. Mythologisches Material, Waffenfunde, Klei- der und Werkzeuge sind gesammelt worden. Die Expedition wird über das Ostkap und Seattle zu- rückkehren und im November in Dänemark ein- treffen.

Flugzeugrennen auf der Leipziger Messe, An- läßlich der Leipziger Herbstmesse findet am 3, Sep- tember 1924 auf dem Flugplatz des Weltflughafens Leipzig-Mockau ein Flugwettbewerb statt, dessen Mittelpunkt ein großes Flugzeugrennen bilden wird.

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e. h. V. Bundesrat d. Schweiz Privatdoz, Dr. Paul Schläp- fer v. Rehetobel, Dir. d. Eidgenöss. Prüfungsanstalt f. Brenn- stoffe an d. Eidgen, Techn. Hochschule in Zürich, in Anerken-

nung S$. wissenschaftl, Verdienste z. Prof, d. Eidgen. Techn, Hochschule, Prof, Max Förster, d. Anglist d. Leipziger Univ.. nach München. Z. Wiederbesetzung d. durch d. Rück- tritt d. o. Prof, Dr. Karl von Amira an d. Univ. München erl. o. Professur f. privates, Handels- u. Gewerberecht, Rechts- geschichte u, Rechtsvergleichung d. o. Univ.-Prof, Geh. Justiz- rat Dr. Ernst Heymann in Berlin. Studienrat Reintjes v. Lessing-GOymnasium Berlin v. d. japan, Regierung als Prof. f. deutsche Sprache u. Literatur nach Japan,

Gestorben: Prof. Dr. Karl Brick, wissenschaftl, Mitglied d. Instituts f, angewandte Botanik in Hamburg u. Leiter d. pilan- zenpathol, Abt, d. Instituts, im Alter v. 62 Jahren infolge eines Herzschlages. In Hilvertsau im bad. Schwarzwald d. ehemal, Ordinarius d, öffentl, Rechts an d. Straßburger, später an d. Leipziger Univ, Geh. Rat Dr. jur., theol. et rer. pol, h. c. Otto Mayer im 79, Lebensjahr, Sein Tod bedeutet für d, deutsche Rechtswissenschaft den Verlust eines ihrer hervorragendsten Vertreter, Sein Werk, das „Deutsche Verwaltungsrecht“, hat in seiner hervorragenden wissenschaftlichen Bedeutung allge- meine Anerkennung gefunden, Dr, Leopold Bauke, d, unter d, Namen Dr. Theodor Z e11 zahlreiche Aufsätze u, Bücher aus d, Leben d. Tierwelt veröffentlichte, am 26. Aug,

Verschiedenes. F. d, freigewordenen Lehrst, d. Zivilrechts an d, Wiener Univ, wurden als Nachf. Prof. Grünbergs Prof, Spiethoff-Bonn, ferner Prof, Otto Pisko u. d. frühere Sektionschef im Justizministerium, Dr, Gustav Walker in Vorschlag gebracht,

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(Bei Anfragen bitte auf die „Umschau“ Bezug zu nehmen. Dies sichert prompteste Erledigung.)

156. Sparen an Streichholzschachteln (schwe-

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dischen). Zeitweise haben die Taschenfeuerzeuge (Benzin-) den Gebrauch der Streichhölzer stark eingeschränkt, heute macht sich aber wieder eine stärkere Benutzung der letzteren bemerkbar. Es ist deshalb wohl angebracht, auf die ganz unnö- tige Verschwendung, die mit den Schachteln getrieben wird, zu sprechen zu kommen. Wie planlos wird das Entzünden der Streichhölzer vorgenommen. Viele streichen mit dem Holz hart über die ganze Reibfläche, so daß diese natürlich schnell abgenutzt wird. Das Streichen über die ganze Reibfläche hat zwei Nachteile, nämlich erstens wird die Reibfläche durch das überflüssige darüberstreichen unnötig abgenutzt, und zwei- tens, was noch wichtiger ist, entzündet sich der Zündsatz schon, wenn das Holz sich noch auf der Reibfläche befindet, und dadurch wird ein großes Stück der letzteren unbrauchbar. Zur sicheren Entzündung genügt die kräftige Bestreichung einer Strecke von etwa 3 mm vollkommen. Von größ- ter Wichtigkeit ist dabei, daß das Zündholz bereits die Reibfläche verlassen hat, che die Zündung er- folgt. Diesen Forderungen ist Genüge geleistet, wenn man das Holz etwa 3 mm vom Rande der Reibfläche aufsetzt und nach außen streicht. Nimmt man das Streichen parallel den Schmalseiten der

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Schachtel vor, so gelingt es anstandslos, mit einer Reibfläche 125—128 Streichhölzer, also den Inhalt zweier Schachteln (jede zu 60—62 Hölzer) zu ent-

zünden. Allerdings werden die Reibflächen auch durch das Tragen der ungeschützten Schachteln

in der Tasche stark abgenutzt, dagegen kann man sich aber in bekannter Weise schützen. Manchem wird dies Beispiel etwas pedantisch und als Spie- lerei erscheinen, jedoch hat es einen tieferen Sinn, denn es ist ein Selbsterziehungsmittel, und etwas Selbsterziehung tut uns allen mehr oder weniger

not. Man soll auch in Kleinigkeiten genau und überlegt handeln, es ist eine gute Vorübung für das Tun und Handeln im Großen. Nach einiger

Zeit wird es zur selbstverständlichen Gewohnheit. Dr. F. W. Horst.

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In der „Chemischen Auskunftsstelle‘* werden Anfragen nach chemisch-technischen Herstellungsmethoden, nach der Verwer- tung von Naturprodukten, wegen der Ausnutzung von ge- machten Beobachtungen usw. in knapper Form beantwortet. Den Anfragen sind doppeltes Porto u. 0,5 Goldmark beizufügen.

H. C. in C. Herstellungsverfahren für llüssigen Metallputz. Der flüssige Metallputz besteht im Prinzip aus chemisch reinigenden Materialien im Gemisch mit mechanisch wirksamen Stoffen, beide in einer Flüssigkeit verteilt. Zwecks Erleichterung der Suspension, des Schwebens der feinsten Teil- chen der mineralischen Zusätze, gibt man Seife in wässeriger Lösung oder ähnliches zu. Als verwen- dete Chemikalien kommen besonders Oelsäure (Olein) und gleichzeitig etwas Salmiakgeist (Am- moniakflüssigkeit) in Betracht. Hierdurch löst sich die Oxydschicht bei Kupfer, Kupferlegierungen usw, Zumeist gibt man als mechanisch reinigenden Stoff der Neuburger Kieselkreide in feinst ge- schlämmter Form den Vorzug, doch enthalten manche Putzwässer auch Kieselgur, Glas- oder Bimssteinpulver. Ein kleiner Zusatz von Polierrot (Eisenoxyd, Englisch- oder Pariserrot) erhöht den Glanz der geputzten Fläche. Als Flüssigkeit dient Wasser, wozu sich mitunter noch Spiritus, Petro- leum usw, vorfinden, die indes nach meinen Ver- gleichsversuchen unnötig sind. Wenn auch schon willkürliche Mischungen von Kieselkreide, Olein, Ammoniak und Wasser Putzwirkungen ergeben, ist eine gute Zusammensetzung Erfahrungssache. Literatur: Zahlreiche technologische Werke und Warenkunden enthalten Angaben über Metallputz- mittel, Als Spezialliteratur seien genannt: Siddon, Ratgeber in der Kunst des Schleifens, Polierens und Färbens, sowie Wahlburg, Die Schleif-, Polier- und Putzmittel für Metalle aller Art.

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Sprechsaal. Sehr geehrte Schriftleitung!

Sollte es sich bei den in Heft 32 der „Umschau“ beschriebenen „Rätselhaften Dodekaedern“ nicht einfach um eine altertümliche Art großer „Spiel- würfel“ handeln, bei denen die auf den Flächen der heutigen Würfel angegebenen verschiedenen Augenzahlen durch verschieden große Oefinungen ersetzt werden? Die an den Ecken angebrachten Bronzeknöpfchen wären dann wohl nicht als Ver- zierungen, sondern vielmehr als Schutzeinrichtun- gen zu deuten, die übrigens gleichzeitig das Rollen des „Würfels“ erleichtern dürften. E. Reukauf,

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702 WER WEISS? WERKANN? WER HAT?

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„WER HAT

(Zu weiterer Vermittlung ist die Schriftleitung der „Umschau“, Frankfurt am Main-Niederrad, gegen Erstattung der doppelten Portokosten gern bereit.)

316. Die jüngste Forschung sieht in den Atomen Rotationssysteme Weltsysteme im klei- nen. Jedem Rotationssystem ist das Bestreben eigen, in der gegebenen Lage und bei Bewegung in der gegebenen Richtung zu beharren.

Ist nun eine Beziehung zwischen der atomisti- schen Rotation und der allgemeinen (mechanischen) Beharrung anzunehmen?

Schneeberg.

Prot. A. T.

317. Wie entfernt man spurlos Fliegenschmutz aus goldgelber seidener Hängeampel, ohne die Farbe und das Gewebe anzugreifen?

Allenstein. A.B.

318. Vor einiger Zeit ist ein Verfahren bekannt geworden, das ermöglicht, Holz weich zu machen und zu formen. Wer kann die Fabrik oder sonsti- ges Unternehmen nennen, das sich mit dieser Art der Holzbearbeitung befaßt?

Mannheim.

319. bezw. ein

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Wer kennt wissenschaftliche Aufsätze Buch, welches den Tabak, seine Ge-

haltsbestimmung, Bleichung usw. eingehend be- handelt? Düsseldorf. 14,12,

Die Bücherprämien der Umschau.

Für die Leser der „Umschau“ veranstaltet der Verlag im Rahmen seiner Abonnentenwerbung eine Prämienverteilung, für die Bücher von zum Teil recht hohem Werte aus bedeutenden Verlagen vor- gesehen sind. Ein Verzeichnis dieser Bücher be- findet sich in dem auffälligen Ausschreiben mitten im Textteil dieses Heftes der „Umschau“, Neben Büchern aus dem Verlag der „Umschau“ sind Werke folgender Verleger vertreten: F. A, Brock- haus in Leipzig, Deutsche Verlagsanstalt in Stutt- gart, Ferd. Dümmlers Verlag in Berlin, Felix Mei- ner in Leipzig, Verlag Ullstein in Berlin, Georg Westermann in Braunschweig. In dem Ausschrei- ben sind die Verleger hinter den einzelnen Buch- titeln angegeben.

Verlag der Umschau, Frankfurt am Main.

Schluß des redaktionellen Teils.

Das nächste Heft enthält u. a. folgende Belträge: Dr. Guttmann: Die Spaltung der Persönlichkeit durch Me- dikamente, Dr. Jost: Die Voraussage eines Konjunkturum- schwungs, Dr, Koch: Urteer, Urteerforschung, Urteer- erzeugnisse, Dr. MiBßBriegler: Die Homosexualität in der modernen Psychiatrie. Der vieräugige Hans Quck-in- die-Luft, Dr. Eickstedt: Eine Nachbildung des Urmen- schen, Dr. Loeser: 25 Jahre Radium.

Verlag von H. Bechhold, Frankfurt a. M., Niddastr, 81, und Leipzig, Talstr. 2, Generalvertretung in Stuttgart: Max Kahn, Rotebühlstr. 21; in Berlin: E. Pariser, Berlin W 57, Göbenstr, 8; für die Schweiz: Zweigstelle Zürich: H. Bechhold Verlag, Postfach Zürich 17. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: H. Koch, Frankfurt am Main, für den Anzeigenteil: A. Eckhardt, Frankfurt am Main. Druck von H. L. Brönner’s Druckerei, Frankfurt am Main, Niddastraße 81.

3 [FEIST-SEKTRELLEREI+AG]

Zum Kampi um die Welleislehre!

In der Welteis-Bücherei erschienen bisher:

Max Valier, Der Sterne Bahn und Wesen. Eine gemeinverständliche Einführung in die Himmels- kunde. 500 S. mit über 100 Abb. In Ganzin. M. 10.—. Die Erklärung aller kosmischen Erscheinungen auf Grund dreier einfacher Erfahrungssätze. Die Er- kenntnis vom ewigen Werden und Vergehen der

Sternenwelt.

Hanns Fischer, Weltwenden. Die großen Fluten in Sage und Wirklichkeit. 217 S. mit 48 Abb. In Ganzin. M. 5.—.

Sächsische Werke: „. .. eine in sich geschlossene Naturer- kenntnis,‘“ Berg und Hütte: . . . . daß es unbegreiflich er- scheint, wie mancher all diesen wuchtigen und sprechenden Qe- danken sein Ohr verschließen kann.“

Hanns Fischer, Rätsel der Tiefe.

Die Entschleierung der Kohle, des Erdöls und des Salzes. 164 S. mit 23 Abb. In Halbln. M. 3.75.

Dir. Baß in „Aus der Heimat“: , das beachtenswerte Ergeb- nis, auf Grund eines einzigen Gedankens nicht nur die Bildung der Welt, sondern „geradezu spielend‘ die großen Oecheimnisse der Geologie zu lösen,

Heinrich Voigt, Die Welteislehre und ich.

Kosmotechnisches Erlebnis eines Ingenieurs. 2. Aufl. 32 S. geh. M. —.50.

Ende August erscheint: Hanns Fischer, Der Mars als uferloser Eisozean.

Die Sammlung wird fortgesetzt.

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Briefwechsel und Nachlaß Herausgegeben von Prof. Dr. ERNST JÄCKH

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Kölner Tageblatt: Wenn das Buch nicht so amüsant wäre, müßte es eine Kapitelfolge sein, die traurig stimmt. Es wird, mit all seinen Schnurren und Humoren, ungewollt zu einem Buch der Klage und An- klage, daß dieser Mann, dessen Klarheit des Denkens, mutige Unbefangenheit des Handelns, sachliche Ernsthaftigkeit und taktvolle Zartheit des politischen (und menschlichen) Empfindens jede Zeile verrät, auch die sich des derben Wortes bedient, daß dieser Staatsmann, der ein blühendes Menschentum besaß, von der breiten historischen Wirkung weggestoßen, ihr ferngehalten wurde. Der seltene fesselnde Reiz dieses Werkes liegt darin, daß man in die bewegte Frische eines natürlichen Menschentums blickt und zugleich an die großen Entscheidungsprobleme des europäischen Schicksals herangeführt wird. Münchner Neueste Nachrichten: Eine neue und wesentliche Bereicherung erfährt das Gesamt- bild durch dieses Buch, das aus Briefen, Berichten usw. einen ungemein lebendigen Einblick nicht nur in die sachlichen, nach außen wirksamen, sondern vor allem auch in die personellen und internen Ver- hältnisse der damaligen Reichspolitik vermittelt. Als Politiker mit gesundem Menschenverstand, klar im Urteil und energisch im Wollen und Handeln, als geschickter und fähiger Diplomat steht Kiderlen vor der Nachwelt. Die Denkwürdigkeiten geben erdrückendes Material zur Widerlegung der Lüge von Deutschlands Schuld am Kriege.

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